KEINE GNADE
„No tolerance“ – „Keine Toleranz“ ist das Schlagwort, nicht unbedingt bei
uns. Aber ein Beispiel, beschrieben von Alan Truscott in der „International
Herald Tribune“ soll zeigen, wie „Keine Gnade“
geradezu erbarmungslos gehandhabt wird.
Beim Finale des prestigeträchtigen (wenn nicht das wichtigste amerikanische
Teamturnier überhaupt) Reisinger Knockout ging es um den Titel. In einem Team
vier italienische Weltmeister: Noberto Bocci, Giorgio Duboin, Lorenz Lauria und
Alfredo Versace, zusammen mit den US-Stars George Jacobs und Ralph Katz.
Die Zuschauer vor dem Vugraph waren überrascht, als sie sahen, wie Steve
Garner und Howard Weinstein des US-Teams „Welland“ dem Südspieler Duboin
erlaubten eine „unmögliche“ 3 Ohne zu erfüllen.
Hier die Hand:
♠ A K J 7 6 5
♥ K
♦ 8 4 3
♣ Q J 9
♠ 10 9 3 ♠ Q 4 2
♥ J 7 5 4 ♥ A 9 8 6 3 2
♦ K 9 2
♦ 10
♣ K 8 6 ♣ 10 5 3
♠ 8
♥ Q 10
♦ A D J 7 6 5
♣ A 7 4 2
Ost Süd West Nord
Pass 1
♦ pass 1♥
Pass 1
NT pass 2
♣
Pass 2
♦ pass 2 ♥
Pass 3
♦ pass 3 ♠
Pass 3
NT pass pass
Ausspiel war Herz 4.
Ost ließ den Herz König bei Stich, ein Karo-Impass
verlor und West spiele jetzt den Herz Buben. Der wurde durchgelassen und Süd
erzielte zehn Stiche!!
Das Problem war das Gebot der Italiener. Nords
Antwort von 1 Herz zeigte Pik, die nächsten zwei Gebote waren Relays, die mehr
Information über die Südhand verlangten.
Duboin auf Süd erzählte Weinstein auf West, dass
seine Gebote sechs Karo und vier Treff zeigen – was er auch hatte. Weinstein
war sicher, dass sein Partner Garner auf Ost die selben Information haben
musste. Das war aber nicht der Fall.
Die Spieler sind verpflichtet den Gegner zu erklären,
was ihre Lizit-Vereinbarungen sind, nicht, was sie tatsächlich halten. Garner
erläuterte, dass sein Partner exakt vier Treff und 5ünf oder sechs Karo haben
müsse.
So, von Garners Seite, könnte die Verteilung
durchaus 1-3-5-4 sein. Gut, der Herz-Zehner mag eine seltsame Karte gewesen
sein – zum Beispiel von Q 10
x. Aber falsch zu markieren wäre eine vernünftige Aktion.
Das Spiel des Herz Buben von West war in der
Absicht geschehen, dass sein Partner die Verteilung ebenfalls kannte und
einstechen würde.
Das Protestkomitee brütete stundenlang und kam zu
dem Schluss: Die Gegenspieler wurden auf entscheidende Weise in die Irre
geführt, das Score auf 3 Ohne zweimal nicht adjustiert.
Das war auch das Ergebnis im Replay. Das
Welland-Team gewann mit einem halben Punkt und – den Titel.
Gerhart Pistor